Die heiligen Orte zu Arenberg,
genannt Roter Hahn

eine Landschaftsbilderbibel geschaffen zwischen 1845 -1860.
Idee, Planung und Ausführung:

Johann Baptist Kraus geb. 06.06.1805,
Pfarrer in Arenberg vom 22.06.1834 bis zu seinem Tod am 16.03.1893

 


Konrad Weber, Dienstag 20. Juli 2004
geändert: 12. Januar 2017

 

Geschichte der Pfarrer-Kraus-Anlagen:
In einer Parklandschaft zwischen Arenberg und Immendorf, auf dem Johannishügel des Hüttenberges, hat Pfarrer J. B. Kraus im 19. Jhdt.  nach dem Vorbild der Sacri-Monti (Hl. Berge) in Oberitalien eine Landschaftsbilderbibel geschaffen. J. B. Kraus wollte keine "Kunstwerke" in die Landschaft stellen, sondern dem, wie er sagte, einfachen, unwissenden und ungelehrten Volk ein religiöses Bilderbuch zur Lebensorientierung bieten. Er wollte ihm seinen Glauben anschaulich und lebendig vor die Seele stellen. Dies um so mehr, weil er der Hoffnungslosigkeit der Gläubigen begegnen wollte, die aus seiner Sicht durch die damals einsetzende Industrialisierung eingetreten war. Politisch wollte er ein "Bollwerk" gegen den aufkeimenden "Liberalismus", der in den 70er Jahren des 19. Jhdts. im Kulturkampf gipfelte. Ohne seine mächtige Gönnerin Kaiserin Augusta, die sein Schaffen nach Kräften ideell und auch finanziell unterstützte, wäre das große Werk womöglich nicht zustande gekommen. Sie war es, die die Herrschenden und Adeligen Europas auf den "Arenberg" aufmerksam machte. Zar Alexander II. von Rußland und Kaiser Franz-Josef von Österreich, die in Bad Ems zur Kur weilten, waren neben vielen anderen Hochmögenden hier zu Gast und trugen mit hochherzigen Spenden zum Gelingen seines großartigen Lebenswerkes bei. Seit 1987 sind die Pfarrer-Kraus-Anlagen in Arenberg unter Denkmalschutz gestellt. Die Entstehungsgeschichte der Anlagen hat Dr. Sylvia Maria Busch in dem Beitrag "Die heiligen Orte zu Arenberg" ausführlich beschrieben. 
 

Virtueller Rundgang durch die "Anlagen"

Am Anfang des Rundgangs stehen wir vor der Judasgrotte.
Durch einen Kuss wird Jesus von Judas für 30 Silberlinge verraten und den Häschern ausgeliefert.

Die Grotte ist vorwiegend mit rotbraunen Vulkanschlacken ("Lavakrotzen") und Konglomeratsteinen erbaut. Erstere stellen nach dem Verständnis von Pfr. Kraus "die im Erdenfeuer geläuterten Seelen der Gläubigen" dar.

Auffallend ist die Bauweise, die ohne jegliche sichtbare Mörtelfugen auskommt, besonders, wenn Natursteine verwendet wurden.

 

 

Nach Pfr. Kraus sollen die Torbögen einen Regenbogen als Symbol des Friedensschlusses zwischen Gott und den Menschen nach der Sintflut darstellen.

Dieser Torbogen wurde 1956 hier als "Wiedergutmachung" für Geländeverluste zugunsten des Straßenbaues errichtet.

Die gesamte Anlage wurde 1987 unter strengen Auflagen der Behörden unter Denkmalschutz gestellt.

Die Himmelfahrtsgrotte

 

 

 


Das achteckige Tempelchen aus weißem Quarz und grauen Bergkristallen steht am Eingang des Ölbergs und hat die Himmelfahrt Jesu zum Thema. Im Innern steht ein Engel in weißem Gewand, mit der einen Hand zum Himmel, mit der anderen auf des Herren Fußstapfen zeigend und gleichsam sprechend: "Willst du zum Himmel gelangen, so wandle des Herren Weg". In den Glasgemälden der Fenster sieht man Jesus auf einer Wolke stehend, den Blicken seiner Jünger entschweben und im dritten Bild das "himmlische Jerusalem", über dem strahlend die Sonne aufgeht.
Wie kunstfertig und präzise die Maurer aus dem Nachbarort Immendorf gearbeitet haben, wird am Kreuz im Gewölbe des Tempelchens deutlich. Unter Anleitung ihres Pfarrers Kraus wurden sie zu wahren Künstlern.


Die schlafenden Jünger

Wie auf einer Rutschbahn gelangt man zur tiefsten Stelle des Ölberges zu den schlafenden Jüngern. Sie haben im entscheidenden Augenblick versagt und ihren Meister, als er sie am meisten brauchte, verlassen. Hier hält uns Pfarrer Kraus den Spiegel vor, denn hier unten findet das pralle Leben statt. Die gestrauchelten, mit Schuld beladenen, die verlassenen, trauernden, kranken, einsamen und verzweifelten Menschen finden sich hier. Die am Tiefpunkt  des Lebens Gestrandeten (sic!), sie alle, gleich welcher Religion oder welchen Glaubens, müssen von da unten mühsam, schrittweise, ja stufenweise über eine Treppe wieder nach "oben".
Die Kraus´sche Symbolsprache und Symbolik wird oft in seinem Werk angewandt und kommt besonders in seinen Anlagen zum Ausdruck. Leider haben heutige Besucher oftmals kaum noch Zugang zu seiner Symbol- und Bilderwelt.

Über der Grotte ist als Mahnung an die Besucher zu lesen:
WACHET UND BETET DAMIT IHR NICHT IN VERSUCHUNG FALLET
In der Grotte liegen schlafend die Apostel Petrus, Johannes und Jakobus, während ihr Meister leidet und gefangen genommen wird.
Die aus festem Stein gemeißelten Figuren stammen von Heinrich Fleige aus Münster. Zwei in die Decke eingebaute Glasscheiben bewirken in dem Raum eine milde, indirekte Beleuchtung von oben, eine Technik, die Pfarrer Kraus bei mehreren Grotten und Kapellen angewandt hat.


Die Todesangstgrotte
 

Nur einen Steinwurf von den schlafenden Jüngern entfernt (wie die Bibel sagt) erreicht man die Todesangstgrotte, die mit rötlichfarbenen vulkanischen Schlacken gestaltet ist. Jesus ist im Innern der Grotte als riesige Sandsteinplastik dargestellt, er kniet betend, den Blick angstvoll nach oben gerichtet, von dort kommt ein Engel der ihn stärkt. Dieses Bild mit Engel und Leidenskelch ist in schöner Glasmalerei dargestellt. Die gesamte Grotte ist ein Geschenk der großen Gönnerin Kaiserin Augusta. Die Statue wurde von August Michels geschaffen.

Die Verspottung Jesu

Bei dieser Station des Leidensweges wird Jesus im weißen Gewand verspottet. Auch hier begegnet uns die Kraus´sche Symbolik. Vor der Grotte liegen einige eingemauerte Steinkugeln, nach Archimedes *287 v. Chr., der vollkommenste geometrische Körper (bei dem alle Punkte der Oberfläche gleiche Radien zum Mittelpunkt haben). Nach dieser Vollkommenheit sollte auch der Pilger und Besucher streben.

Das Tempelchen

Eines der schönsten Bauwerke in den Pfarrer-Kraus-Anlagen ist das neuromanische Tempelchen über hexagonalem Grundriss. Es beinhaltet die Station des gegeißelten Heilandes. Besonders die interessante Dachform und der umlaufende Fries sind hervorragende Arbeiten. Das Dach hat 6 Giebel, über jedem Bogen einen. Das Gesims, die kleinen Bögen und die Kreuze sind aus Ettringrer Tuffstein gemeißelt. Selbst die Wasserspeier sind als Tierköpfe gearbeitet und zeigen, dass jedes Bauwerk bis ins kleinste Detail hinein durchkonstruiert ist.


Die Dornenkrönung


Die große Dornenkrönungskapelle wurde vor einigen Jahren wegen Baufälligkeit teilweise in guter handwerklicher Ausführung restauriert.
Die ebenfalls neu gefasste Statue des dornenbekrönten Heilandes mit Purpurmantel und Schilfrohr als Zepter steht auf einem hohen Sockel und versinnbildlicht die Verhöhnung durch Pilatus: „Ecce homo“:"Seht, welch ein Mensch!“

Der Mariengarten


Vorbemerkung zur Restaurierung des Mariengartens.:
Nachdem die "Restaurierungsarbeiten" bei den Rosenkranzgeheimnissen  mit weißer Farbe nunmehr beendet sind, wird in den Grotten der Sieben Schmerzen Mariens mit brauner Farbe weitergemacht. Spiegelt sich darin die z.Zt. vorherrschende politische Meinung in Deutschland?
Die Anlagen in Arenberg verkommen zur Beliebigkeit. Die Stilverletzungen nehmen Überhand. Wenn auf einem Regenbogen ein Walmdach, ein Torbogen mit 5 cm breiten Mörtelfugen saniert, ein modernes eisernes Gartentörchen als Haustür am Haus Nazareth sowie weitere Stilverletzungen vorkommen und letztlich auch noch die aktuelle Fehlrestaurierung in den Grotten hinzukommt, wäre es besser, die Anlagen in Würde sterben zu lassen, so wie es der Pfarrverwaltungsrat in den 1980er Jahren vorhatte.

 

 

Torbogen (Foto links) findet man in den Anlagen öfter.
Nach Kraus´scher Intention sollen sie einen Regenbogen darstellen, der als sichtbares Zeichen den Bund zwischen Gott und den Menschen nach der Sintflut besiegeln sollte. An diese Begebenheit sollen die Torbögen den Besucher erinnern.
Oben ist folgende, mit kleinen Steinchen mosaikartig gestaltete Inschrift zu lesen:
Die hl. Stätten der Gottesmutter Maria
Durch den Torbogen gelangt man in den "Mariengarten".

Beherrschendes Bauwerk im Mariengarten ist das Haus Nazareth. Daneben steht ein wuchtiger Mammutbaum, (Sequoia giganthea) er wurde noch unter Dr. Peter Lenné, der auf Geheiß der Kaiserin Augusta die Anlagen gärtnerisch gestaltete, angepflanzt. Lennés Wirken ist heute noch allenthalben sichtbar. Neben spanischer Fichte und ungezählten Buchs- und Lebensbäumen wurden viele weitere, für die damalige Zeit exotische Bäume angepflanzt. Früher wurde jährlich der schneeweiße Kies (Symbol der Reinheit und Unschuld) entlang der Lindenallee und auf den Wegen erneuert.

 Im Bild rechts ist die Verkündigung Mariens dargestellt. Die Marienfigur wurde nach alten Vorlagen neu gefasst. Die Gruppe steht im Haus Nazareth. Momentan ist das Haus Nazareth wegen notwendiger Renovierungsarbeiten nicht zugänglich. Auch hier ist der indirekte Lichteinfall von oben realisiert. J.B. Kraus gelang es immer, seine Objekte ins "rechte Licht" zu rücken, dazu setzte er schon im 19. Jhdt. mit genialen Methoden die indirekte Beleuchtung und Lichtführung ein.

Eine Besonderheit im Mariengarten stellt die im Foto abgebildete Gebetssäule dar. Sie ist aus rotbraunen Lavaschlacken aufgebaut und steht gegenüber dem Haus Nazareth. Auf einer Marmorplatte ist ein Mariengebet in der Form eines Kreuzes eingraviert. Das Gebet wurde von Pfarrer Kraus verfasst und zeigt exemplarisch die Genialität des Verfassers. Früher wurde dieses Gebet beim Tod eines Pfarrkindes gebetet.

Hier der Text des Gebetes:

 

Die Vermählung Mariens



Im Mariengarten sieht man zur linken Seite zunächst zwei Kapellen mit lebensgroßen Figuren. In der zweiten Kapelle ist die Vermählung Marias mit Josef dargestellt. Jüdischer Brauch forderte es, dass jedes Mädchen einem Manne zur Frau gegeben wurde. So wird auch Maria einem Manne vermählt, Josef, einem Arbeiter und Zimmermann, der fortan ihr Schützer und Betreuer ist. Die Figurengruppen stammen von Carl Walter aus Trier. Auch hier ist wieder der Lichteinfall von der Decke her angewandt.

Die Rosenkranzgeheimnisse

Rechts des Weges im Mariengarten unter dem bereits erwähnten Mammutbaum erblickt man eine große Anzahl von Bildstöcken, die das Haus Nazareth umstehen. Diese Bildstöcke zeigen die 15 Rosenkranzgeheimnisse. Die einfache rechteckige Form ist aus kleinen Steinen aufgebaut. In einer bogenförmigen Vertiefung sind die einzelnen Themen als Reliefbilder von Franz Scherf (Köln-Kalk) dargestellt.

Die sieben Schmerzen Mariens

In weiteren Kapellen im Mariengarten, sind die sieben Schmerzen Mariens dargestellt. Stellvertretend sind hier zwei Reliefs abgebildet. Das erste Relief zeigt die Suche nach dem verlorenen Jesusknaben in Jerusalem und das zweite die Kreuzigungsszene und den Tod Jesu..

Auf dem Kreuzesbalken liegt trauernd die verfinsterte Sonne. Gräber tun sich auf, Sonnenfinsternis, Erdbeben, die ganze Natur rebelliert und trauert zugleich beim Tode des Herrn.


Leider hat in den vergangenen Jahren hier eine Fehlrestaurierung stattgefunden.

Die Kreuzwegstationen

Wie beim gesamten Werk von Pfarrer Kraus war auch beim Kreuzweg der Gedanke im Spiel, die ganze Natur aufzubieten zum Lobe des Schöpfers, getreu seinem Motto: "Alles zur Ehre Gottes". Darum schaffte man auch hier riesige, tonnenschwere Steinblöcke aus Rhein und Mosel und Kristalle aus der ganzen Umgebung heran, um sie bei den einzelnen Stationen als schmückenden Hintergrund einzubeziehen.

In urchristlicher Zeit pilgerte man, um den Kreuzweg zu beten, nach Jerusalem. Dort folgte man dem Weg, den Jesus mit seinem Kreuz gegangen ist. Später legte man überall solche Wege an, die zu einem Kreuz auf einem Berg führen. Hier in Arenberg führt der Weg als eine „Gottesstraße“ – die beiden Dörfer Immendorf und Arenberg verbindend – hin zum Erlösergarten mit seinen Kapellen und zur Pfarrkirche. Das Material der Bildstöcke besteht aus Trierer und Heilbronner Sandsteinen. Im unteren Teil steht ein trauernder Engel mit gesenkten Flügeln und aufgerollter Schrift. In der Rosette am oberen Teil des Bildstocks befindet sich ein hölzernes Kreuzchen von Ölbaumholz aus Jerusalem. Stellvertretend für alle anderen ist nachfolgend eine Kreuzwegstation im Detail erläutert

Erster Fall Jesu unter dem Kreuz
Die dritte freistehende Kreuzwegstation zeigt, wie Jesus zum ersten Mal unter der Last des Kreuzes zusammenbricht. Auf einer kleinen Marmortafel unter dem Motiv findet man die Worte aus der hl. Schrift:

"
Meine Feinde haben umgeben meine Seele,  verschlossen ihr gefühlloses Herz".

Psalm 16, 9-10

Die Lourdesgrotte


 

Als 1858 Bernadette Soubirous in Lourdes die Marienerscheinung hatte, löste dies eine wahre Flut von Lourdesgrotten- Nachbildungen aus. So wollte man auch in Arenberg, wo die Grotten und grottenähnliche Bauwerke für Pfarrer Kraus richtungsweisend waren, auf eine Lourdesgrotte nicht verzichten. Sie steht am Anfang des Rundgangs durch den Antoniusgarten. An höchster Stelle der Grotte mit einem weißblauen Mantel bekleidet, Maria die Gottesmutter. Darunter eine Nachbildung der heilbringenden Quelle.

Der Antoniusgarten


Einsiedelei des hl. Franziskus


Antoniuskapelle


Antoniusweiher

Nicht weit von der Lourdesgrotte erblickt man die Einsiedelei des hl Franziskus, der dort den den Tieren predigt. Er war und ist heute noch einer der beliebtesten Heiligen des christlichen Volkes. Seine Liebe zur Armut und zur Natur haben ihm die Augen für die Schönheiten der Schöpfung geöffnet und diesen „Bruder Immerfroh“ eine ganz eigene Stellung auch zur Tierwelt gelehrt.
Sein Sonnengesang gehört zum Schönsten mittelalterlicher Literatur.

Die Kapelle des hl. Antonius von Padua ist nächste Station auf dem Rundweg im Antoniusgarten. Antonius ist uns bekannt als der "Schutzpatron der Vergesslichen“, aber er ist auch der Helfer der Armen und zugleich der große Mystiker, der in Visionen die Gottesmutter mit ihrem Kind schauen durfte. Das Innere der Kapelle (Bild) zeigt dann auch die Erscheinung der strahlenumkränzten Gottesmutter im Fenster und des Kindes als kleine Statue. (Leider fiel das Original-Fenster vor einigen Jahren einem dreisten Diebstahl zum Opfer.)
Di
e Legende berichtet über den heiligen Antonius, dass er von einer Menschenmenge bei seiner Predigt am Ufer eines Sees plötzlich verlassen wurde. Er aber predigte weiter, und siehe die Fische des Sees kamen und hörten ihm zu. Der kleine Weiher und die Statue des Heiligen wollen an diese Begebenheit erinnern.

Der Herz-Jesu-Garten


Erlöserkapelle

Herzstück des Herz-Jesu-Gartens ist die Erlöserkapelle, die auch als Gnadenkapelle bezeichnet wird. Sie ist auf Grund der Erscheinung einer Jungfrau aus Immendorf errichtet worden und wurde am 20.September 1852 geweiht. Hierbei haben Künstler der Düsseldorfer Malerschule wie Ittenbach und Deger mitgewirkt. Die Front der Kapelle wird von drei nebeneinder stehenden Fenstern gekennzeichnet. Die große Rundbogenblende zeigt zwei Bäume, die Engels- und Totenköpfe als Früchte tragen. Sie symbolisieren den Lebensbaum und den Baum der Erkenntnis. Ganz oben erblickt man Maria mit dem Kind als apokalyptisches Weib; unten vor der Kapelle sind Adam und Eva mit ihrem Sohn Kain dargestellt.

Unterhalb der Traufe ließ Pfarrer Kraus an den Seiten umlaufend Kugeln einmauern, sie sollen an den Rosenkranz erinnern.

Maria im Strahlenkranz

Über dem Scheitel des Bogens und noch über den Dachfirst der Erlöserkapelle ragend, erhebt sich über einem siebenköpfigen Drachen die auf der Mondsichel stehende Maria mit dem Kind. Ihr Haupt ist mit den zwölf Aposteln, in Form goldglänzender Sterne umkränzt. Sie ist umgeben von gelben Strahlen auf blauem Grund, die leuchtende Sonne und das Firmament mit Sternen, darstellend. Wenn die Sonne, besonders um die Mittagszeit, durch diesen Glaszylinder strahlt, entsteht ein Anblick einzigartiger Schönheit. Furchtlos und majestätisch steht sie da, hält das Kindlein zum Himmel empor und beginnt die Flügel auszubreiten, die Gott ihr verliehen hat, um es vor dem Drachen (Satan) zu schützen, der seine sieben Rachen (sieben Todsünden) schauerlich nach ihr aufsperrt. Die Gruppe wurde vollstandig restauriert und der Drache neu gefasst.

Detailfoto des Drachen:

"Die vierzehn (Glas-)Augen versinnbildlichen seine Schlauheit und List, die Hörner bedeuten seine Stärke. Die sieben Kronen seine Macht über diejenigen, welche sich von Gott und Maria trennten".

Aus: J. B. Kraus, Die heiligen Orte zu Arenberg,
zehnte Auflage 1877, Coblenz, S. 95.
 

Pieta

Mittelpunkt im Innern der Erlöserkapelle und zugleich kunsthistorischer Höhepunkt ist diese schöne Statue der Gottesmutter mit dem toten Sohn auf ihrem Schoß. Die formschöne flämische Pieta ist aus Eichenholz geschnitzt. Sie wird als Gnadenbild verehrt und entstand um 1580. Sie stand früher vermutlich in der 1794 ausgebrannten Johanniskirche in Niederlahnstein. Pfarrer Kraus hat sie einer Witwe abgekauft. Das Kunstwerk war in einem sehr schlechten Zustand und der Kunstmaler Professor Ittenbach hat sie damals kunstvoll restauriert.  Die Statue gilt als eines der schönsten sogenannten Vesperbilder im Rheinland.

Herz-Jesu-Kapelle

Im Innern der Herz-Jesu-Kapelle sind besonders die Glasmalereien sehenswert. Das große Chorfenster zeigt das dornenumkränzte Herz Jesu mit zwei knieenden Engeln, während der Chorraum in blutrotes Licht und der Kapellenraum in blaues Licht getaucht ist, hervorgerufen durch entsprechend gefärbte Seitenfenster. Im Vordergrund bemerkenswert die vor Christus knieende Mystikerin Margareta Maria Alacoque. Außen und innen ist die Kapelle mit grünen und blauen Schlacken verkleidet, Symbol der Hoffnung und Treue.
Das ursprüngliche Fenster wurde im Krieg 1944/45 zerstört und 1950 durch die Glasmalerei F. Biensfeld in Trier erneuert.


 

Oberlichter (alt und neu)

(Herz-Jesu-Kapelle)

Das Oberlicht der Tür zeigt eine besonder schöne Glasmalerei, das mit Rosenranken umgebene brennende Herz Jesu. Das Kunstwerk stammt noch aus der Zeit von Pfarrer Kraus und ist leider vor einigen Jahren gestohlen worden. Eine später eingebaute Kopie (Bild unten) steht dem Orginal kaum nach.

Die Josefskapelle

Durch zwei mit gelbgetöntem Glas versehene Fenster strömt ein warmes, gefiltertes Licht in das Innere der Josefskapelle und taucht die blendend weiße Gruppe des sanft sterbenden Josef in einen gelben, verklärenden Lichtkokon, der zeigt, das Pfarrer Kraus viel an malerisch effektvollem Lichteinfall gelegen war. Die ganze Gruppe ist eine einzige Proklamation christlich-tugendhaften Lebens, das einen Tod in heiligem Frieden verspricht. Todeskampf und qualvolles Sterben gibt es hier nicht.

Das bemerkenswerte und kunstvolle Basalttor vor der Josefskapelle beschließt den Rundgang durch die Anlagen.

Auf dem alten Friedhof südlich der Kirche steht die "Arme Seelen Kapelle". Beachtenswert sind die am Ende den Lisenen oben und am Giebel angebrachten Urnen. Desweiteren die Muschelschalen aus tropischen Gewässern als Weihwasserbecken und die Kunst der Handwerker geben dem harmonisch gestalteten Bauwerk sein außergewöhnliches Gepräge

 

Gegenüber der "Arme Seelen Kapelle" steht dieses Friedhofskreuz. Der auf weißem Marmor eingravierte, von Pfr. Kraus verfasste Text verblasst leider mit der Zeit; ist aber hier zu finden.

Neben dem Friedhofskreuz befindet sich das Grab u. a. von Johann Weber. Eine enge Freundschaft verband ihn mit "seinem" Pfarrer Kraus, der ihm zu Lebzeiten für alle Zeiten diesen Ehrenplatz im Schatten des Friedhofskreuzes und gegenüber seiner eigenen Grabstätte bei den Priestergräbern zugesagt hatte. Der Freund und damalige Arenberger Gemeindevorsteher Johann Weber hatte Pfarrer Kraus maßgeblich bei der Projektierung von Kirche und Anlagen unterstützt, und zwar als Vermittler zwischen den Anliegen der Bauern der Gemeinden Arenberg und Immendorf und denen des rührigen Pfarrers, der so viele Pläne in die Tat umsetzen wollte. (Elfriede Böhm, 2015 )


Alles konnte im Rahmen dieser Arbeit, die von Wilfried Mohr mit Text und auch mit Fotos unterstützt wurde, hier nicht gezeigt werden, es sollte aber Interesse geweckt werden, den "Arenberg" und die wieder sehenswerte Pfr. Kraus´sche Schöpfung zu besuchen, zu staunen und neu zu erleben.

Um mich nicht über die Fehlrestaurierung zu ärgern, gehe ich dort heute nicht mehr hin. (August 2016)

Fotonachweis:
0025.JPG und 0042.JPG stammen von Wilfried Mohr, alle anderen wurden von mir in den letzten Monaten und Tagen aufgenommen. Die Bildrechte liegen bei den Autoren. 
Konrad Weber, im Juli/August 2004