Der Galgen auf dem Kiesel (Gintgen´s Galgen) an der Dreispitz
Konrad Weber im Mai 2003
Update:

Bei der alten Montabaurer Straße an der Dreispitz liegt die Flur “Auf dem Kiesel”. Hier befand sich früher der Galgen. Aus Prozessakten ist ersichtlich, dass im 14Jhdt. hier ein Mann namens Gintgen hingerichtet wurde. Seitdem heisst diese Stelle "Gintgen´s Galgen." Die Richtstätte (s. Foto) gehörte der reichsunmittelbaren Herrschaft Mühlenbach, d.h. sie war bis 1806 (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation) nur dem Kaiser unterstellt. Zur Herrschaft gehörten außer dem Schloß Mühlenbach, das bei dem heutigen Mühlenbacher Hof lag, die Dörfer Arenberg und Immendorf . An der alten Emser Straße ist noch ein ORM Grenzstein dieses kleinen Territoriums sichtbar. Dort stand ein Armesünderkreuz, das zugleich die Grenze zwischen der kleinen reichsfreien Herrschaft und Kurtrier angab. Nachweislich wurde an dieser Stelle 1574 ein Dieb und Mörder namens Dietrich Hardtmandts, der in Arenberg einen Bauern erschlagen haben soll, auf dem Kiesel hingerichtet (Dr. Fritz Michel, "Die Herren von Helfenstein"). Aus der gleichen Quelle stammt folgende grausige Begebenheit: Dem Clefzgen Gutgen von Arenberg, der Ehebruch getrieben und deswegen einen Meineid geschworen hatte, ließ Johann v. Helfenstein 1575, also ein Jahr später, als Mithochgerichtsherr "uff´m Kiesel" die Schwurhand abschlagen. Weil aber die Montabaurer nächtens den Galgen abgehauen hatten, ließ Johann aus Rache jene Hand in den "Sauren Bronnen" zu Monthabaur werfen- "darusser die gantze gemeind und das hoffgesind ein zeit lang gedrunken ".
In einem 1578 laufenden Prozess wusste ein Zeuge zu berichten, dass zwei Frauen aus Immendorf Noßen Eile und Grit genannt die Schönmundin, die als Zauberinnen angeklagt waren, hier verbrannt wurden. Die sterblichen Überreste sollten nahe der Grenze in einer Kuhle begraben werden. Damit war aber die Gemeinde des Niederberger Kirchspiels nicht einverstanden, weil hier der
Herrschaftsbereich der Helfensteiner endete (Siehe NU Stein vor der Grillhütte). Darauf der Helfensteiner: "Macht die Kuhle uff das meine, ich will keinen Zank mit dem Kirspel han" (LHA Koblenz). So geschah es dann auch. Weiter liess 1721 der Kurfürst Franz-Ludwig von Pfalz-Neuburg (1717-1729)  den Anton Biller aus der Augst hier hinrichten. Seine Frau wurde nur mit "Ausstreichen mit Ruten" (Auspeitschen) bestraft, dann aber laufengelassen, weil offenbar Kinder vorhanden waren; beide waren in Niederlahnstein beim Diebstahl erwischt worden. Ein hartes Urteil, da es sich vermutlich (nur) um Mundraub aus Hunger handelte. Anton Biller ist von Januarius Zick bei der Beichte vor der Hinrichtung gemalt worden. Das Gemälde zeigt ihn mit zwei Kapuziner-Patres aus Ehrenbreitstein die ihm seelichen Beistand gewährten. Nach einigen Tagen wurden die Leichen ohne christliches Zeremoniell in einer Kuhle neben dem Galgen verscharrt. Das Gelände um die Eiche war damals wesentlich größer. Es war der Schindanger und ist nach heutigem Verständnis als Friedhof zu betrachten.
Heutzutage parken Autos auf den Gräbern; ein unhaltbarer, unwürdiger Zustand. Den "armen Teufeln" ist damals schon Unrecht geschehen, das muß nicht bis in unsere Zeit durch die Pietätlosigkeit parkender Autos auf ihren Überresten weitergeführt werden.
Hier ist ein Friedhof und kein Parkplatz.
 

Ein Nachfahre des ehemaligen Armsünderkreuzes war ein Holzkreuz ohne Corpus, das bis in die Zeit der Nazis erhalten war und den geschichtskundigen Wanderer an die einstige Richtstätte erinnerte. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde das Kreuz während des nationalsozialistischen Kirchenkampfes beseitigt und ebenso still und unbemerkt um 1966 zur Wiedergutmachung des damaligen bilderstürmerischen Frevels durch Andreas Schardt, dem damaligen Ortsgruppenleiter der NSDAP von Arenberg, ersetzt. Das Kreuz soll den Wanderer an die hier Hingerichteten erinnern. Am Samstag den 5. Mai 2007 wurde durch den VVVAI eine Gedenktafel eingeweiht. Ortsvorsteher Giefer und unser Herr Pastor Dechant Eugen Vogt gedachten in Ihren Ansprachen der Hingerichteten (Foto).

Die Mechanik in V2A Edelstahl wurde von Werner Friedhofen Schlossermeister in Arenberg hergestellt, die Druckfolie wurde im Werbeatelier Klein bedruckt und aufgezogen. Für die vielfältigen Ratschläge bei der Text und Layouterstellung möchte ich allen Beteiligten und besonders dem VVVAI für die Realisierung des Projektes meinen Dank aussprechen. Dank auch an Dr. Thomas Trumpp, der mir die Anregung für die Gedenktafel gab.

Konrad Weber im Mai 2007

Foto links im Vordergrund vlnr:
Dr. Thomas Trumpp, der Vorsitzende des VVVAI Hans Finkener, der Ortsvorsteher Gerd Giefer und Dechant Eugen Vogt.
Im Hintergrund: Vereinsmitglieder u. interessierte Arenberger u. Immendorfer Bürger.


Die Gedenktafel:
 

    Quellen: Dr. Fritz Michel "Die Herren von Helfenstein" erschienen 1906 und Landes-Haupt-Archiv LHA Koblenz

    Dr. med. Fritz Michel war viele Jahre Chefarzt des Krankenhauses Ev. Stift in Koblenz. Der Stadtrat verlieh ihm wegen seiner vielfältigen Verdienste die Ehren- bürgerschaft der Stadt Koblenz.
    Die Uni-Bonn ehrte ihn mit der Ehren- doktorwürde Dr. phil.  h.c. wegen seiner umfangreichen Geschichtsforschung in der Region.